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Grey-Eyed Part Three
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/Zehn Jahre später/



Die Sonne schien vom Himmel, und Sasaki zog seine Mütze ein wenig tiefer in die Stirn, weil er geblendet wurde . 

,Gott.noch zwei Stunden Arbeit, bei der Hitze! Ich werde bestimmt eingehen wie eine Blume in der Wüste!', dachte er bei sich und verfluchte die dummen geregelten Arbeitszeiten.

Savage stiess ihn an und holte ihn wieder aus seinen Gedanken.

"Ey! Hörst du mir überhaupt zu?"

"Hmm.was?"

"Sasaki, du hast dich in unserer verdammten zwölfjährigen Partnerschaft kein bisschen verändert? Was soll ich bloss mit dir machen?"

"'Tschuldigung", sagte Sasaki schuldbewusst und grinste Savage an, "aber ich werde mich wohl nicht mehr ändern.immerhin bin ich schon 38! Das ist ganz schön alt!"

Savage schüttelte anscheinend resignierend den Kopf.

"Wenn du das alt nennst.dann möchte ich dich in zwanzig Jahren noch mal wieder sprechen!"

Sie lachten beide. Sie standen an einem Getränkestand in Zivilkleidung, um nicht so aufzufallen. Sie waren nämlich hinter einer Bande von jugendlichen Kriminellen her, die in letzter Zeit oft in dieser Gegend zugeschlagen hatte. Und wenn sie die Gestapo in ihrer Arbeitskleidung gesehen hätten, dann wären sie bestimmt nicht auf die Idee gekommen, hier ein bisschen was zu klauen. 

Auf einmal wurde Sasaki von hinten angerempelt und er schüttete Savage den kalten Eistee über das T-Shirt. Er drehte sich um und vor ihm auf dem Boden sass eine schlanke Gestalt, völlig in schwarz gekleidet, den Kopf nach unten gesenkt, und die schwarzen, mittellangen Haare mit den rot gefärbten Spitzen fielen ihm in die Augen.

,Schwarz? Bei diesem Wetter?'

Er streckte der Person eine Hand entgegen, denn obwohl er nicht an diesem Unfall Schuld war, wollte man schliesslich höflich sein. Er setzte gerade zu einer Belehrungsrede an, als der junge Mann aufschaute. Sasaki stockte der Atem:

,Graue Augen?'

Die Zeit schien still zu stehen, er starrte nur weiter in das schmale Gesicht, dass er so oft gehofft hatte, noch einmal zu sehen. Das Gesicht mit den rabenschwarzen Wimpern und den grauen Augen, die ihn so fasziniert hatten. Das Gesicht, nach dem er sich so oft auf der Strasse umgeschaut hatte. Sayukis Gesicht!

Der Mann schaute auch ihn an, etwas flackerte in seinen Augen auf, schien Sasaki zu erkennen und zweifelte gleichzeitig daran. Starrte in zwei so vertraute und doch fremde schwarze Augen, die ihn selber abzutasten schienen und versuchten, das Gesehen zu begreifen. Konnte es sein? Konnte er es wirklich sein? Der Mann, der ihn damals unter dem Bett hervorgeholt hatte, der erste Mensch, dem er seit diesem Geschehen wieder vertraut hatte?

Konnte es Sasaki sein?

Er ergriff die ihm hin gehaltene Hand und liess sich hochziehen, unterbrach aber nicht den Blickkontakt. Als sie sich gegenüberstanden, Sayuki ein wenig kleiner, starrten sie sich weiter an, nahmen die restliche Welt nicht mehr wahr. Dann sagte Sayuki leise und vorsichtig:

"Danny? Danny Sasaki?"

Sasaki nickte leicht, und dann starrten sie sich wieder nur an, wie damals.

Eine Ewigkeit und doch keine zehn Sekunden später tippte Savage Sasaki an, wunderte sich über den weggetretenen Blick, den Sasaki hatte und sprach ihn mehrere Male an, bis dieser überhaupt mit den Augen zuckte. Verwirrt drehte Sasaki sich zu ihm um und schaute ihn verwundert an, schien ihn nicht zu erkennen. Dann blinzelte er, schaute John nicht mehr aus dem Nebel an, der seine Augen verschleierte, und gab ein leises "Oh!" von sich. Savage wusste nicht, was Sasaki meinte, der nun endlich seine Sprache wieder gefunden hatte.

Er schluckte einmal und wollte dann Savage gerade erzählen, wer da vor ihm stand, als dieser auch schon rief:

"Hey, Junge! Warte! Du solltest dich wenigstens noch entschuldigen!"

Sasaki drehte sich um, doch alles, was er sah, war nur noch der Schatten von Sayuki, der so schnell wie der Blitz um eine Häuserecke verschwand. Er schaltete zu spät, und als er ihm hinterher rannte, sah er ihn auch schon nicht mehr. Ausser Atem hielt Savage ihn an, legte eine Hand auf die Schulter und sagte:

"Der Kleine wollte dich beklauen! Wieso hast du ihn eigentlich so dumm angestarrt? Kennt ihr euch, oder so?"

Sasaki nickte, nahm die ihm hingehaltene Brieftasche von Savage entgegen und fragte:

"Hast du ihn nicht erkannt?"

"Wieso? Sollte ich den denn kennen?"

"Ja, solltest du! Denk mal an die Augen!"

Savage überlegte und dann traf es ihn wie ein Blitz.

"Sayuki Masamoto? Das war er?"

Saski nickte stumm.

"Na, der hat sich ja gemausert! Sieht ja nicht schlecht aus, der Bengel.ein wenig dünn vielleicht. Und tolle Freunde hat er sich auch zugelegt!"

"Was? Wieso das denn?"

"Er gehört doch ganz offensichtlich zu dieser Bande! Er hat dich schliesslich beklaut!"

Sasaki nickte stumm.



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/Anderswo/



Aus einer alten Lagerhalle, die nicht ganz so verlassen war, wie sie sein sollte, erklangen leise Schreie. Zwischendurch war noch eine wütende Stimme zu hören.

"Du wagst es! Du wagst es doch tatsächlich, hier ohne Geld aufzukreuzen? Du Nichtsnutz! Das wird dir eine Lehre sein!"

Sayuki schrie auf, als die Hand mit dem scharfen Ring gnadenlos in sein Gesicht knallte und er rückwärts taumelnd an die Wand stiess und dort zusammensackte. Er befühlte den langen Schnitt im Gesicht vorsichtig, wischte das Blut ab, das daraus lief. Ängstlich schaute er zu der über ihm stehenden, grösseren und kräftigeren Person auf.

"Sato, es tut mir Leid! Bitte lass mich!"

Der Angesprochene schaute spöttisch auf ihn herab, spuckte dann auf den Boden vor seinen Füssen und hob drohend die Hand.

"Du entschuldigst dich also? Das brauchst du doch nicht! Schliesslich ist es dein Problem, wenn du hier nicht mehr die ,Miete' bezahlen kannst! Dann musst du eben wieder auf der Strasse schlafen und Männer für Geld ficken, so wie vorher!"

Sayuki zuckte zusammen, als Sato ihn am Kragen packte und ihn hochzog. Das Nylonmaterial schnitt schmerzhaft in seinen Nacken, doch er gab keinen Laut von sich.

"Ich-Ich werde morgen wieder genug mitbringen! Bitte, lass mich los! Ich versprech's! Da waren die Bullen und der eine hat mich fast erwischt und.ich bringe morgen genug mit, ehrlich. Lass mich runter, bitte!"

Sato schaute ihn spöttisch an, näherte sich langsam dem ängstlichen Gesicht seines Gegenübers und leckte dann mit der Zunge ein wenig von dem Blut auf der Wange ab. Sayuki schloss die Augen, jetzt bloss nicht wegzucken, sonst würde er ihn wieder schlagen. Dann schoss auf einmal eine Stimme durch den grossen Raum, und das Echo wurde von den Wänden zurückgeworfen.

"Sato! Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du ihn in Ruhe lassen sollst?"

Sato drehte sich ärgerlich nach der schneidenden Stimme um und liess Sayuki langsam sinken.

"Aber Boss, er hat wieder nicht genug Geld angeschafft!"

"Wieso nicht?"

"Er sagt, da wären Bullen gewesen, die ihn fast erwischt hätten, doch er hätte sie abgehängt! Er meinte, die würden da jetzt wahrscheinlich schon länger rumhängen."

Die grosse Gestalt trat aus dem Dunkeln, das Neonlicht wurde von roten Haaren und schwarzen Augen eingefangen, der sinnliche Mund war nach unten verzogen und auf der sonst ebenen Stirn bildete sich eine unschöne Zornesfalte.

"Und warum schlägst du ihn dann?"

"Wie meinst du das, Boss? Wieso soll ich ihn nicht schlagen, wenn er sich erwischen lässt?"

Ein Schlag traf Sato in das hässliche Gesicht und dann blitzte die Klinge eines Katanas gefährlich an seiner Kehle. 

"Idiot! Jetzt wissen wir, dass Bullen dort rumstreunen und wir auf der Hut sein müssen! Das hilft uns also mehr, als wenn er genug Geld mitbringt. Oder willst du lieber erwischt werden und dein restliches Leben im Gefängnis zubringen?"

Sato schluckte und schüttelte dann vorsichtig den Kopf, um nicht mit der scharfen Klinge in Berührung zu kommen. Die schob sich gefährlich nahe an seine Hauptschlagader heran.

"Ich habe dich nicht gehört!"

"N-nein."

"Und du wirst ihn in Ruhe lassen, hast du das verstanden?"

"J-ja."

"Gut, und jetzt verpiss dich!"

Sato stand hastig auf, wurde jedoch von einer grossen Hand auf seiner Schulter davon abgehalten, zu fliehen. Die Stimme war jetzt nahe an seinem Ohr und zischte:

"Hast du nicht was vergessen?"

"Tu-tut mir leid!"

Dann rannte er, was das Zeug gab.

Sayuki rappelte sich auf, murmelte ein leises ,Danke' in Richtung seines Bosses und flüchtete dann in das zweite Stockwerk, wo er sich auf das Bett warf, dass er mit einem anderen Jungen teilte. Er legte sich auf den Rücken, warf dann eine CD ein und liess seine Gedanken treiben, während er seinem (geklauten) Discman lauschte.

Alte Traurigkeit und das schreckliche Gefühl von Einsamkeit überfluteten ihn, als er an den Tag zurück dachte, als er Sasaki kennen gelernt hatte. Er konnte sich selber nicht erklären, warum er vor ihm davon gelaufen war. Nach einer Weile war er schon fast eingeschlafen, als jemand heftig auf das Bett hüpfte. Er selber ruderte mit den Armen, um nicht aus dem Bett zu fallen, als sich auch schon zwei Arme um ihn schlossen und langes, fliessendes blondes Haar sich über seine Schultern ergoss. Er brauchte sich nicht umzudrehen, um zu wissen, wer es war. Er setzte sich auf, lehnte seinen Kopf an die Schulter hinter ihm, als ein warmer Mund sich auch schon auf seinen Nacken presste. Sayuki seufzte leise. 

"Lorenz."

Als Antwort löste sich der Mund, aber als sein Gesicht gerade umgedreht wurde und Sayuki schon erwartungsvoll in die grünen Augen schauen wollte, hielt Lorenz in der Bewegung inne. Dann strich ein Finger vorsichtig über den Schnitt in seinem Gesicht. Sayuki zuckte zurück.

"Er war es wieder, habe ich Recht?"

Sayuki schaute zu Boden. Lorenz sah dies als Bestätigung an, drückte seinen weichen Mund auf Sayukis Wunde und wanderte dann langsam bis zu seinem Mund. Vorsichtig teilte er die aufgeplatzten Lippen, schob seine Zunge in die Mundhöhle Sayukis. Der liess sich zurück gleiten, schob Lorenz dann aber vorsichtig wieder von sich.

"Was ist?"

"Nichts."

"Du hast doch was! Was war noch los? Ist was passiert?"

Sayuki haderte, ob er Lorenz von der Begegnung mit Danny Sasaki erzählen sollte, doch in ihrer Bande gab es die Regel, dass keiner etwas aus der Vergangenheit des Anderen wusste. Und obwohl sie eigentlich ein Paar waren, hatten sie diese Regel noch nicht gebrochen. 

Deswegen wollte Sayuki damit erst gar nicht anfangen und so erzählte er nur von dem beinahe misslich ausgegangenem Diebstahl und von den Schlägen, die Sato ausgeteilt hatte. Ausserdem auch noch davon, dass der Boss ihn mal wieder vor dem brutalen Schläger gerettet hatte.

"Du bist eben doch sein Liebling! Aber ich kann das ja verstehen!", grinste Lorenz ihn an.

Sayuki nickte. Lorenz lächelte ihn wieder an und küsste ihn noch einmal. Dann legten sie sich hin, um zu schlafen, es war spät genug. Sayuki schlief nur mit einem Gedanken ein:

,Ich muss ihn wieder sehen!'



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Sasaki schaute auf die rot-leuchtende Digitalanzeige seines Weckers und stöhnte leise auf.

0:45 Uhr! Und morgen musste er auch noch früh raus.

Aber er schaffte es einfach nicht, einzuschlafen. Die ganze Zeit dachte er an die Begegnung von heute und seine Gedanken kreisten nur um eine Person: Sayuki!

Sayuki sah wirklich gut aus, er war gewachsen, hatte immer noch dieselben, schwarzen Haare, die dunklen Wimpern und die unverwechselbaren grauen Augen, die ihn nicht mehr losgelassen hatten, seit er sie das erste Mal gesehen hatte. Die ganzen Zehn Jahre hatte er sich jetzt Gedanken gemacht, wo Sayuki war, was er tat, wie es ihm ging. Er hatte sogar nachgeforscht, als die Verwandten weggezogen waren. Vorher hatte er Sayuki so oft wie möglich besucht, hatte oft die blauen Flecke um die Augen gesehen, die sein Onkel ihm zugefügt hatte. Aber er konnte nichts machen, konnte Sayuki schliesslich nicht mit nach Hause nehmen. Und die ganze Zeit hatte Sayuki nicht ein Wort gesprochen. Auch seine Tante, die immer noch hübsch war und die Sayuki wirklich mochte, fragte Danny oft, ob Sayuki mit ihm sprach, aber das tat er nicht. Er verständigte sich immer nur per Papier und Malstiften, hörte aber sehr aufmerksam zu, wenn Sasaki ihm etwas erzählte. Er verstand alles, und Sasaki bekam schnell den Eindruck, dass das Kind sehr intelligent war. Als er nachforschte, fand er heraus, dass sein Vater einmal ein genialer Wissenschaftler war, dann jedoch wurde seine Firma geschlossen und er verlor seinen Job. Er fand auch keine neue Arbeit, also verarmten er, seine Frau und sein Sohn und sie zogen in die Bronx. Dann waren seine Eltern erschossen worden. Und das für läppische 300 Dollar! Der Junge schien seine Intelligenz und die Augen von seinem deutschstämmigen Vater geerbt zu haben, die schwarzen Haare, Wimpern und die leichte Schrägstellung der Augen von seiner japanischen Mutter. 

Schon wieder dachte er an seine Augen! Verdammt noch mal! ,Ich benehm' mich ja schlimmer, als ein verknallter Teenager.!'

Er drehte sich entschlossen auf die linke Seite und versuchte mit aller Willenskraft, endlich einzuschlafen. Aber wie das nun mal so ist, wenn man unbedingt schlafen will: Es funktioniert 100% nicht. Er wälzte sich noch eine Weile im Bett herum, bis sich eine warme Hand auf seine Schulter legte und seine Frau Sally ihn mit schlaftrunkener Stimme fragte:

"Was ist denn los, Danny? Den ganzen Tag bist du schon so unruhig. War irgendwas bei der Arbeit?"

Er schaute in ihre blauen Augen, die er so sehr liebte und sagte dann:

"Ich habe dir doch von diesem Fall erzählt, mit dem kleinen Jungen, dessen Eltern erschossen wurden, oder?"

Sally nickte und war jetzt wirklich wach.

"Du meinst, den mit diesen merkwürdigen Augen?"

"Ja.ja, der. Er hatte graue Augen, die immer unendlich weise aussahen, als wüsste er alles, was in der Welt so vorgeht, von Geburt an."

"Was ist mit ihm?"

"Ich habe ihn heute wieder getroffen. Er.nun, er hat versucht, mich zu beklauen. Hat mich wohl am Anfang nicht erkannt. Er rannte in mich rein und ich wollte ihm aufhelfen, dann hat er mich angesehen. Und ich erkannte seine Augen, und er mich. Ich muss die ganze Zeit an ihn denken.ich weiss auch nicht, warum. Er ist jetzt schon siebzehn."

"Ach, Schatz, du machst dir zu viele Gedanken.aber wenn er dir so wichtig ist, dann such' ihn doch einfach. Da kann man doch sicher etwas machen, als Polizist, oder nicht?"

"Ja, ich werde mal schauen, was ich da machen kann.ich wünsche mir, dass er Sam kennen lernt.ich denke, die Beiden würden sich gut verstehen. Sam sagt ja auch nicht besonders viel. Und sie sind ja auch im gleichen Alter."

"Du meinst, unser Sohn, der sonst alle Menschen meidet, würde sich mit ihm verstehen?"

"Ja, ich denke schon. Morgen werde ich mal sehen, wie ich ihn finden kann, und dann stelle ich ihm irgendwann noch mal Sam vor.ganz bestimmt."

"Tu das. Aber schlaf jetzt, morgen musst du früh raus! Gute Nacht, Danny."

"Gute Nacht, Sally."

Und in Gedanken fügte er hinzu: ,Und Gute Nacht, Sayuki.'

Dann schlief er ein. 

Ausserdem noch eine andere, die ich angefangen, aber nie zu Ende geschrieben habe...wenn du willst, kannste sie gerne benutzen und sie weiterschreiben...Übrigens: Wenn mein PC wieder funktioniert...schreibe ich dir sicher noch mal! Kann aber ne Weile dauern...T.T



Consolation



"Au, verdammte Scheisse!"

Kai liess den elektrischen Rasierapparat in das Waschbecken fallen und betrachtete wütend den kleinen, blutenden Schnitt an seiner Wange.

//Mist, verdammter! Und das ausgerechnet heute, vor Melli's Party!//

Er tupfte das Blut vorsichtig ab und schaute sich noch einmal prüfend an. Die schwarz gefärbten Haare waren perfekt hoch gegelt, die Augen mit Kontaktlinsen, schwarzem Kajal und schwarzer Mascara betont, die schweren, schwarzen Klamotten, bestehend aus einem schwarzen Mantel, einem knallengen Top und dazu passender Lederhose mit schweren Boots harmonierte, passten zu seinem sonstigen Gothic-Schmuck, der aus einer Halsbandschnalle, einem auf dem Kopf stehenden Kreuz, und zwei Lederarmbändern an jeweils einem Handgelenk bestand. Auf einmal wurde die Tür fast von heftigen Schlägen eingeschlagen, obwohl sie verschlossen war. 

"Mensch, Kai, ich will auch noch mal da rein! Jetzt befummel' dich nicht selber, sondern komm da endlich raus!"

Kai seufzte, verdrehte die Augen und öffnete dann seinem Mitbewohner die Tür.

"Jaja, Lolli, ist ja schon gut, nu' reg dich ma' ab, ey!"

Der zog grummelnd an ihm vorbei und schmiss die Tür mit einem wütenden "Flo kommt auch gleich!", zu. Florian war sein Freund, mit dem er schon mehr als zwei Jahre zusammen war und der quasi bei ihnen wohnte. Kai seufzte abermals, als er erschreckt zusammen fuhr, weil zwei grosse Arme sich um ihn legten.

"Hey, Schnucki! Hätte nich' gedacht, dass dir so was steht!" 

Er bekam einen Schmatzer auf die Wange und schaute dann in die lachenden Augen Florians. Er grinste ihn an.

"Wo is'n Lolli-Mausi?"

Kais Grinsen wurde noch breiter, er tippte mit dem Finger in Richtung Badezimmertür. Flo nickte und grinste noch breiter.

Als Lolli dann eine Ewigkeit später endlich aus dem Bad kam, liess er sich lächelnd neben Flo auf den Beifahrersitz fallen und dann ging's los. 

Nachdem sie es nach stundenlanger Sucherei endlich geschafft hatten, einen Parkplatz zu ergattern, was nicht so einfach gewesen war, weil Melli's Haus genau an der Strasse stand und deswegen dort alles schon voll geparkt war, waren die Drei endlich auf der Party angekommen und hatten sich langsam über den grossen Raum verteilt. Kai stand mittlerweile in der Küche und holte sich gerade was zu trinken, als eine grosse Hand unsanft auf seiner Schulter landete und er mit einem Ruck herum gerissen wurde. 

"Kai, altes Haus! Wat machst du denn hier? Lange nicht mehr gesehen, jetzt, wo wir Ferien ham'!", rief jemand in Kais Richtung. Kai schlug als erstes eine deftige Alkohol-Fahne entgegen, dann der Geruch nach Zigaretten und schliesslich erkannte er durch den blauen Dunst, dass ER dort vor ihm stand. 

//Ach du Scheisse! Jetzt bloss nicht den Kopf verlieren! Ganz ruhig bleiben! Nicht rot werden.obwohl, es ist so dunkel, dass ER dich gar nicht erkennen könnte.was faselst du eigentlich? Halt die Klappe und sag' irgendetwas!//

Kai strich sich nervös durch die schwarz gefärbten Haare und stammelte dann ein: "Oh, Hallo.ähm.schön.dich zu.sehen, Jan." Er hätte sich am liebsten eine in die Fresse geschlagen, sich über die Kloschüssel gehängt und sich selbst darin ersäuft, aber das wäre in dieser Situation wohl ein wenig peinlich gewesen. 

//Jetzt dreh' doch nicht gleich durch! Das ist Jan, dein Sandkastenkumpel, der total in Ordnung ist, dich nie auslachen würde, der gut bei den Mädchen ankommt.der irre gut aussieht.und in den du seit `ner Ewigkeit verknallt bist! Ach Scheisse!//

Er schaute unsicher zu Jan hoch, der ihn ein kleines Stückchen überragte und versuchte möglichst nicht, noch mehr zu stottern. Krampfhaft versuchte er, nicht in seine wunderschönen, grün-braunen Augen zu schauen, weil er sonst garantiert angefangen hätte, zu sabbern - und das wollte er irgendwie vermeiden. Die Musik wurde noch lauter und man verstand gar nichts mehr von dem, was ein anderer zu einem sagte. 
Also schob Jan sich noch ein Stückchen näher an Kai heran, beugte sich über ihn und brachte seine Lippen nahe an Kais Ohr. Er schrie gegen die Ohrenbetäubende Musik an: "Siehst ja nicht schlecht aus! Hätte nicht gedacht, dass dir so was steht! Und die Haare haste dir auch gefärbt! Haste Kontaktlinsen drinne, oder warum sehen deine Augen so geil aus?"

Kai schluckte angesichts des herrlichen Duftes, der von Jans Shampoo-Gewaschenem Haar herüber zog. Er schrie auch so laut, wie er nur konnte: "Jupp, ich hab' mir welche vom Augen-Doc verschreiben lassen, hatte keinen Bock, hier mit `ner Brille aufzukreuzen."

Jan schaute Kai verwundert ins Gesicht, dann stupste er mit seinem Zeigefinger an Kais Nase und sagte: "Aber du bist sooo niedlich, wenn du deine Brille aufhast!" 

Kai lief rot an, teils vor Zorn, teils weil er von dem Kompliment peinlich berührt war.

"Ach Quatsch! Sag mal, wo is' eigentlich deine Freundin.//Mist! Wie heisst die Tussi noch mal?//.ehm.hilf' mir doch mal."

"Du meinst Jana? Die is' im Moment irgendwo in der bunten Menge und tanzt."

"Ach ja, Jana, genau. Wieso tanzt du nicht mit ihr?"

Jan druckste herum und Kai verfluchte sich dafür, dass er gefragt hatte.

"Na ja.hm, sie tanzt mit einem anderen Typen."

"Und da gehst du nicht dazwischen?", fragte Kai ihn verwundert.

"Ach Quatsch, sie hat mir doch selber gesagt, dass es nur ein Freund sei. Und ausserdem hat sie ja auch nichts dagegen, wenn ich mal mit `nem anderen Mädchen tanze."

//Das hört sich ja schwer nach Ausrede an! Ich habe doch selber gesehen, wie sie mit diesem ,Freund' herum geknutscht hat!//

Aber Kai sagte nichts, sondern nickte nur verständnisvoll. Dann wurde Jan auch schon wieder von ihm weggezogen und Jana klammerte sich an seinen Arm. 

"Na, Schatzi! Wer ist das denn?" Mit einem geringschätzigen Blick aus ihren blauen Augen schaute sie an Kai herunter und schnalzte mit der Zunge. Aber bevor sie auch nur eine Antwort abgewartet hatte, zog sie Jan hinter sich her und tauchte mit diesem trotz seiner nicht geringen Grösse in dem Gewühle unter. 

//Dumme Pute!//, dachte Kai und schlug mit einer Faust auf die Tischplatte des Küchentisches.

//Er würde viel besser zu mir passen, als zu dieser dummen Zicke!//



Drei Biere, zwei Martinis, einem Pina-Colada und zwei nicht indentifizierbaren Drinks später setzte Jan sich ziemlich betrunken auf die Terasse, die zum Hinterhof in den Garten von Melli's Haus führte. Er nahm direkt neben Kai Platz, der es nach drei Stunden lautem Techno-Gewummer und stickiger Luft, die aus Stickstoff zu bestehen schien, es nicht mehr im Haus ausgehalten hatte und sich eine Auszeit draussen genommen hatte. Kai schaute zu Jan hinüber, der ziemlich fertig aussah (aber irgendwie total süss, mit seinen vom Alkohol geröteten Wangen J) und ihm fiel gleich auf, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Er rückte ein Stück näher zu Jan und fragte: "He, Kumpel, was'n los?"

Jan wand sich zu Kai um und schien erst jetzt zu erkennen. Seine Augen waren rot und auf seinen Wangen waren Tränenspuren zu erkennen. Kai schaute ihn mit vor Schreck geweiteten Augen an.

"He! Was ist denn passiert? Jemand gestorben?" (Für die Bemerkung biss er sich einmal kräftig auf die Zunge.)

"Nein", sagte Jan schlapp, "aber Jana hat mit mir Schluss gemacht. Sie sagte, sie will jetzt mit diesem Typen, diesem Arsch, zusammen sein, mit dem sie getanzt hat. Sie meinte, er würde sie viel besser verstehen und so. So'n Quatsch!" Er brach noch mal in Tränen aus und lehnte sich an Kais Schulter, wie ein kleines Kind, dass sich bei seiner Mutter ausheulte. Das war wohl der Alkohol-Einfluss, aber das war Kai egal, Hauptsache, dass Jan so neben ihm sitzen blieb. Er legte einen Arm um ihn. Als Jan sich endlich wieder beruhigt hatte, schaute er Kai an und seine braunen Augen waren einen Tick grüner geworden.

"Sach' ma', kann ich heute bei dir pennen?"

Verdutzt schaute Kai ihn an.

"Was? Wieso dat denn?"

"Na, eigentlich sollte ich doch bei Jana pennen, aber bei der derzeitigen Lage." Dabei musste er es sich echt verkneifen, nicht noch mal loszuheulen. Er schaute Kai bittend an und der konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

//Hoffentlich vergreift Lolli sich nicht an ihm.obwohl.ich.mit ihm?! Und das in einem Zimmer? Oh-oh!// Er klopfte Jan trotzdem beruhigend auf die Schulter und sagte: "Klar kannste bei mir pennen. Irgendwie kriegen wir das schon hin. Ganz sicher." 

Dankbar lächelte Jan ihn an und Kai dachte, er müsse auf der Stelle weg schmelzen. 

Nachdem sie noch eine Weile über Gott (in Jans Falle Jana, in Kais natürlich Jan) und die Welt (die sich ausschliesslich um die beiden oben genannten Personen drehte) unterhalten hatten, machten sie sich auf den Heimweg.(Lolli war schon mit Flo abgehauen, was Kai laut fluchen liess.) So machten sie sich mehr oder weniger torkelnd zu Fuss auf den Heimweg. Kai stützte Jan und trug auch dessen Sachen, die sie schnell von Jana abgeholt hatten. So liefen sie Arm in Arm und Kai fand wirklich, das sie zusammen kommen sollten, weil Jan gerade so eine Idee grösser war, dass sie perfekt zusammen laufen konnten. Doch bei dem Gedanken an die bevorstehende Nacht schlug sein Herz schneller und in seinem Kopf schwirrte alles.



So, nu mit dem zweiten Teil fertig. Ich weiss, is' ´n bissel short geworden, aber wat soll man machen? Bis denne und freut euch auf den nächsten Teil mit "DER NACHT!" 











Seufzend lehnte Kai sich an das kalte Glas des Spiegels. Nachdem sie am Haus angekommen waren, hatte es noch eine kleine Ewigkeit gedauert, bis er es geschafft hatte, den betrunkenen Jan nach oben zu schaffen. Schliesslich lag die Wohnung im vierten Stock. ;) 

Nachdem sie es dann doch geschafft hatten, ohne Knochenbrüche und auch sonst ziemlich heil vor der Wohnungstür anzukommen, mussten sie ca. zehn Minuten Sturm klingeln, bis ein halbnackter, von Knutschflecken übersäter Lolli ihnen die Tür geöffnet hatte und sie missmutig angesichts der Störung, die die Beiden verursacht hatten, angeblickt und hereingebeten hatte. Dann hatte Kai Jan in sein Zimmer geschleift und ihn auf das Bett gepackt. Und erst da fiel ihm siedend heiss ein, dass er nur ein Bett besass und keine Gästebettwäsche bereit lag, weil Flo die sicher benutzen würde. (Auch wenn der sicher bei Lolli mit ihm Bett schlief.J) Betrunken, wie Jan war, meinte er nur, dass das nichts ausmache, wenn er nur schlafen könnte. //Ja//, hatte Jan resignierend aber mit hochrotem Kopf gedacht,// DIR macht es nichts aus! Aber was ist mit MIR? Was ist, wenn ich mich nicht mehr beherrschen kann? Was ist, wenn ich.// Aber daran hatte er wirklich nicht denken wollen. 

Er hatte Jan schnell eine Boxershorts zugeworfen und war dann aus dem Zimmer gestürmt, weil er sonst mit 100% Sicherheit noch röter geworden wäre und das dann sogar dem zu gedröhnten Jan irgendwann aufgefallen wäre.Jetzt lehnte er also gegen den Spiegel im Bad und versuchte, irgendwie seine Fassung wieder zu finden. Als er sich einigermassen beruhigt hatte, schminkte er sich schnell ab und zog sich um. Als er sich gerade sein T-Shirt über seinen Kopf zog, wurde an die Tür geklopft. Kai wunderte sich, schloss dann aber doch auf. Vor ihm stand Jan, noch vollkommen bekleidet. Kai wollte gerade zu einem: ,Warum haste dich denn noch nicht umgezogen?', ansetzen, als Jan gegen ihn taumelte und die Arme um ihn legte.

"Was zum.?"

"Ich muss doch.doch noch.Zähne.putzen.!", versuchte Jan ihm mit schleppender Zunge klar zu machen. Kai nickte noch ein wenig perplex über diese seltsame Anwandlung des Waschens von Jan, und stellte diesen dann vorsichtig gegen die Duschwand. Jan schwankte und hielt sich dann doch selber an der Dusche fest und fiel nicht um. Kai seufzte leise auf, drehte sich um und suchte nach einer ungebrauchten Zahnbürste. Als er eine gefunden hatte, drehte er sich um und drückte sie Jan in die Hand. Und der schaffte es doch tatsächlich, sich ohne irgendwelche grossen Schwierigkeiten die Zähne zu putzen. Er war sogar noch vor Kai fertig und taumelte dann wieder in Kais Zimmer zurück. Kai machte sich fertig und ging um die Ecke zu seinem Zimmer, setzte in der Tür gerade zu dem Satz: ,Macht es dir wirklich nichts aus, das wir in einem Bett schlafen?' als er scharf die Luft einzog.

//Das darf doch nicht wahr sein! Lieber Gott, was für ein Anblick!//

Jan stand auf einem Bein hüpfend, mit der Boxershorts nur halb bis über das rechte Bein gezogen und ansonsten vollkommen nackt mitten im Zimmer und schwankte gefährlich. Er schaute Kai mit verschleiertem Blick an. Dann grummelte er ihn an, weil Kai wie erstarrt in der Tür stand und ihn anstarrte.

"He, glotz nicht so blöd sondern hilf mir lieber!" Er fiel zurück auf das Bett und lag nun vollkommen lang dort, während er sich weiter darum bemühte, die Boxershorts (die übrigens mit der Naht nach aussen war) weiter über sein Bein zu ziehen. Kai konnte nicht anders und starrte auf sein Gesicht und seinen Körper.

//Oh, lieber Herrgott im Himmel! Ich danke dir für diesen Anblick! Diese perfekte Sünde! Wie kann ein Bauchnabel alleine nur so gut aussehen? Überall kein Gramm zu viel Fleisch! Breite Schultern, genau die richtige Grösse, schmale Hüften, man kann die Muskeln unter der Haut an jeder Stelle seines Körpers sehen.Was ist das? Eine kleine Narbe? Ich wusste gar nicht, dass er beschnitten wurde.OH GOTT! OhGottOhGottOhGott! Lass mich jetzt bitte nicht die Beherrschung verlieren!// Er merkte, wie seine Libido ihn hämisch auslachten und verfluchte sie dafür. Wenn er jetzt eine Latte bekam.SCHEISSE! 

"Wat starrste mich denn so an? Hast du Probleme damit, dass ich beschnitten bin?" 

Verwirrt schaute Kai wieder in das schöne Gesicht und schien endlich aus seiner Trance aufzuwachen. Er schüttelte den Kopf und bekräftete dies noch mit einem schnell nachgeschobenen "Nein!". Seine Latte bestätigte dies.

Dann hatte Jan es endlich geschafft, die ,verdammte Boxershorts!' über seine Beine zu ziehen und leider, wie Kai fand, verschwand fiel zu schnell ein schöner Teil des Körpers unter dem Stück Stoff. Kai schluckte einmal, denn jetzt würde es härter werden als jemals zuvor: ER würde mit IHM in EINEM Bett schlafen! Seine Libido lachten wieder und Kai wünschte sich, dass er sie nicht hören könnte. Dann stieg er über Jan hinweg und legte sich so dicht an die Wand und so weit wie möglich weg von Jan und hoffte, dass dieser nicht bemerkt hatte, dass er doch eine Latte bekommen hatte. Doch schon merkte er, wie Jans heisser Atem seinen Nacken streifte und Jan ihn fragte: "Sag mal."

//Oh Scheisse.jetzt kommt's!//

".mache ich dich an?"

//Oh Gott, was soll ich jetzt sagen?//

Wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Jeeps erstarrte Kai angesichts dieser Frage. Dann nickte er langsam. Bis ihm einfiel, dass Jan ihn ja nicht sehen konnte, weil es dunkel im Zimmer war. Dann sagte er leise und mit heiserer Stimme: "Ja."

Jan murmelte etwas wie ,So was habe ich mir doch schon gedacht'.

Und dann, ohne Vorwarnung, drehte er Kais Gesicht herum und drückte ihm seine Lippen auf den Mund.

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